VorSchein Nr. 25/26
Ernst Bloch zum 120. Geburtstag
Ontologie - Epistemologie - Methode.
Benjamin - Bloch - Leibniz. Dialektisches Bild und Monadologie
Doris Zeilinger (Hg.)
310 Seiten, 22 x 14 cm, Pb, 2006,
ISBN 978-3-938286-30-2,
22,00 EUR [D]
Das
Jahrbuch 2004/2005 dokumentiert drei Tagungen: "Philosophische Methode
als Problem", "Wahrnehmung und Erkenntnis. Der Weg vom Sein zum
Denken" und "Benjamin – Bloch – Leibniz. Dialektisches Bild
und Monadologie".
Im Mittelpunkt des ersten Themenkomplexes stehen Probleme einer
zeitgemäßen
Ontologie, Epistemologie und Erkenntnistheorie. Diskutiert werden u. a.
Fragen des Holismus, der Dialektik einschließlich des Verhältnisses zu
Theorien der Selbstorganisation sowie Bezüge der Hirnforschung zu Blochs
philosophischem Entwurf.
Der zweite Themenkomplex befasst sich mit Benjamins und Blochs
Geschichtsphilosophie. Gezeigt werden Übereinstimmungen und Differenzen,
wobei auch auf Leibniz’ Einfluss eingegangen wird. Zu welchen Konsequenzen
dieses geschichtsphilosophische Konzept führen kann, zeigt das Werk des
Komponisten
Luigi Nono.
Auf Blochs
holistische Konzeption geht Doris
Zeilinger ein. Kategorien sind "Daseinsformen des Weltstoffs selber".
Dies gilt nicht nur für die Gestaltkategorien, sondern auch für die
Transmissionskategorien. Annette
Schlemm befasst sich in ihrem ersten Beitrag mit der spezifischen
Methodik der "Einzelwissenschaft" Physik, die von Messgrößen
handelt. Deren Ergebnisse auf die "Welt an sich" zu übertragen,
sei unangemessen. In ihrem zweiten Beitrag bezieht Schlemm das
Selbstorganisationsdenken mit ein und kommt zu dem Ergebnis, dass
Systemtheorie und Selbstorganisationsdenken dem dialektischen Denken zwar
nicht widersprechen, Dialektik als begreifend-dialektisches Denken des
Konkret-Allgemeinen im Sinne Hegels aber das Übergreifende bleibt. Können
sich Menschen ein zureichendes Bild von der Welt machen? Bert
Klauninger beantwortet diese Frage dahingehend, dass eine
Onto-Epistemologie, basierend auf Materialismus, Dialektik, Systemtheorie
und einem dynamischen Kausalitätsbegriff dies in angemessener Weise gewährleistet,
nämlich als "Interaktion offener Systeme".
Eine Akzentuierung des Subjekts erfolgt in den nächsten Beiträgen. Der
"Lichtung" des Daß-Anstoßes im Weltprozeß näherzukommen,
ist Volker
Schneiders Anliegen. Er erörtert
die Rolle des menschlichen
Subjekts als Teil des Intensiven, aber auch des "Logos" in der
Welt. Daria Dibitonto geht der "doppelt abgründigen Tiefe der
utopischen Funktion" Blochs nach. Die von ihr untersuchte "Dialektik
des Wunsches" soll nicht nur eine Versenkung in die Blochsche Methode
sein, sondern auch deren Hoffnungspotentiale aktualisieren.
Elemente einer "transzendenten Logik und Dialektik" legt Ulrich
P. Trappe vor. An Blochs Immanenz-Denken kritisiert er die darin
unterschätzte negative Potentialität des Weltstoffs und fordert
Konsequenzen. In seiner Interpretation von Subjekt-Objekt widmet sich Martin
Blumentritt in erster Linie dem
Dialektik-Problem. Er zeigt auf, dass Bloch nicht nur Hegel beerbt, sondern
Schelling maßgeblich in Blochs eigenes Dialektik-Konzept eingeht.
Konkret-utopische Ansätze einer "Allianztechnik des Denkens"
entwickelt Volker Schneider in
seinem Beitrag zu Erkenntnisfragen. Er stützt sich dabei wesentlich auf
neue Ergebnisse der Hirnforschung.
Benjamins Konzeption des "Dialektischen Bildes" steht im
Mittelpunkt der Beiträge von Karl
Ivan Solibakke und Claas
Morgenroth. Während Solibakke die Gestalt des dialektischen Bildes und
seine Entstehung bei Benjamin aufzeigt, zielt Morgenroth auf die Möglichkeit
historischen Eingreifens, die durch diese besondere Art historischer
Erkenntnis erst entsteht. Des Topos der "Gestalt" bedient sich Volker
Schneider: Am "Angelus Novus" Paul Klees arbeitet
er die Unterschiede im Denken Blochs und Benjamins vor dem Hintergrund
Leibniz heraus. Helmut Pape widmet
sich schwerpunktmäßig einer Darlegung der Leibnizschen Monadologie, mündend
im Substanzbegriff – mit Blick auf Bloch. Diese Perspektive greift Doris
Zeilinger auf und untersucht, inwiefern Leibnizsche Elemente in Blochs
Philosophie von tragender Bedeutung sind.
Lydia Jeschke und Matteo
Nanni gehen am Beispiel des Komponisten Luigi Nono auf mögliche
Konsequenzen des Blochschen bzw. Benjaminschen geschichtsphilosophischen
Konzepts ein. Jeschke fragt nach dem Niederschlag bzw. nach Parallelen in
Nonos kompositorischer Konzeption und Praxis. Speziell dem Phänomen des
"Hörens" widmet sich Nanni. Nono unternehme mit seinen Werken
"eine utopische Suche nach einem anderen Hören, nach einem Hören des
Anderen". Der den Band beschließende Aufsatz von Peter Zudeick entfaltet in
großem Wurf das Gesamtkonzept der
Blochschen Geschichtsphilosophie.
Die Autorinnen und Autoren:
Martin Blumentritt, Daria Dibitonto, Lydia Jeschke, Bert Klauninger, Claas Morgenroth,
Matteo Nanni, Helmut Pape, Annette Schlemm, Volker Schneider, Karl Ivan Solibakke,
Ulrich P. Trappe, Doris Zeilinger, Peter Zudeick
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